Trotz Niederlage gab es viel Positives

Die Starwings verloren in Neuchâtel ehrenvoll mit 71:78 (25:35).

Nur 92 Stunden nach dem ersten Heimerfolg gegen den BBC Nyon erlitten die Birs­felder Basketballer bei einem der Titelkandidaten eine knappe 71:78 (25:35)-Aus­wärtsniederlage. Doch die «Wings» bewiesen, dass sie, sollten sie dereinst «en grand complet» antreten können, auch gegen Titelfavoriten nahezu auf Augenhöhe mitspielen können.

Von Georges Küng

Was wäre gewesen, wenn der Starwings-Topskorer Matthew Milon hätte mitspielen kön­nen? Denn mit vier Profi-Spielern – wie sie die Neuenburger einsetzen konnten – hätte Starwings-Cheftrainer Dragan Andrejevic mehr rotieren können und ein Bryan Colon hätte gegen Milon keine 28 (!) Punkte erzielt. Und wenn man bedenkt, dass Nathan Krill, weiter­hin kränkelnd und angeschlagen, schnell mit Fouls belastet war und nach 33 Minuten defi­nitiv mit fünf Fouls ausscheiden musste, so verdient der starke Auftritt der Unterbaselbieter an den Gestaden des Neuenburgersees allerhöchstes Lob.

Von Beginn an bewies das Deutschschweizer Aushängeschild, dass es – trotz den vielen vorgängigen Niederlage – kein «Kanonenfuttter» ist. Nach sieben Minuten leuchtete ein 7:15 von der Anzeigetafel auf – der Gastgeber, welcher mit Friboug, Genf und Massagno die «Vier Grossen des Landes» bildet war perplex.

Sieben Minuten lang eingebrochen

Aber gute, teils sogar starke Phasen können die Starwings (noch?) nicht über eine längere Spieldauer halten. Das zweite Viertel war hierfür sympatomatisch. Aus einem 16:20 nach 21 Minuten machte der Gastgeber bis zur 27. Minute ein 33:20 – ein 17:0 (!) innert knapp sieben Minuten brachten alle Mänger der Gäste zutage. Viel zu viele Ballverluste (in jedem Match 20 und mehr; damit ist man ligaführend…), eine miserable Freiwurfquote von 40 Prozent – ein unterirdischer Wert für die Nationalliga A und forcierte Würfe, weil das Kol­lektivspiel zusammenfiel oder man durch Gegenstösse überrannt wurde.

Aber der Gast aus Birsfelden bewies, trotz Ausfällen, Blessuren, Foulbelastungen (auch die Refs könnte man thematisieren…) und Krankheiten und als es nach 38 Minuten nur noch 71:65 stand, wäre alles möglich gewesen. Weil aber Nathan Krill längst ausgeschie­den war, die Refs weiterhin dem «in dubio pro Union» treu blieben und einige ärgerliche Ballverluste zu verzeichnen waren, kam Neuchâtel zum logischen Sieg. Den sich die Ro­mands hart erkämpfen mussten, weil niemand in der Lage war, den Schweizer Bryan Co­lon (der aber für die Dominikanische Republik als Nationalspieler aufläuft) zu stoppen. Und Neuchâtel mit ihren vier US-Profis Vernon Taylor, Griffin Kinney, Markel Humphrey und den 214-Zentimeter-Riesen Daniel Giddens fleissig rotieren konnte. Ein Luxus, den Andre­jevic nicht hat.

Gute Perspektiven, wenn …

Erfreulich, dass ex-Captain Joël Fuchs nach seinem Einstand am Mittwoch gegen Nyon nun auch in Neuenburg aufspielen konnte. Nach 13 Minuten kam er als 10. Mann in die Partie, in der 33. Minute warf er den ersten von zwei Dreiern. Ein grosser Hoffnungsschim­mer für die Zukunft. Deondre Burns brillierte als Skorer, wobei er all seine vier Dreipunkte-Versuche in den Korb brachte. Vid Milenkovic, welcher in der Stammfünf spielen durfte, hatte nach 90 Sekunden schon zwei Fouls und nahm sich somit selber (die Unparteiischen waren grosszügig beteiligt, da sie Gleiches nicht mit den gleichen Foulpfiffen ahndeten – zumindest nicht dann, wenn es entscheidend war) aus dem Spiel. Starwings-Center Cheikh Sane begann diskret, steigerte sich aber gewaltig und wies 15 Punkte und sagen­hafte 16 Rebounds (davon sieben in der Offensive) auf. Und auch der 20-jährige Yafet Haile holte sich sieben Rebounds – davon fünf (!) im Angriff. Schade, dass er, Sébastien Davet und vor allem Ilija Vranic in der Offensive zu wenig Akzente, auch in Form von Punkten, setzen konnten. Ansonsten der Sieger nicht Union Neuchâtel gewesen wäre.

Die Starwings, obwohl mit Nyon der Liga-David, hat als einziges Team die acht Vorrunden-Matches ausgetragen. Allerdings in englischen Wochen – oft drei Partien in sechs Tagen. Eine Zumutung für Amateure, dessen Profis krank oder verletzt waren/sind. Auch die An­setzung des modifizierten Spielplanes kam den Birsfeldern nicht entgegen.

Zwei Wochen Zeit für Regeneration

Nun hat die Equipe von Trainer Andrejevic zwei Wochen Pause. Es ist zu hoffen, dass das «Lazarett» einigermassen auf die Beine kommt und als Kollektiv agieren kann. Die Star­wings verfügen nämlich über ein homogenes Team, mit vier guten Profispielern und einem Schweizer Quintett, das entwicklungsfähig ist oder viel Routine (Branislav Kostic, Fuchs) aufweist. Und es wäre interessant zu sehen, wenn ein komplettes Starwings auf dezimier­te Rivalen treffen würde… die Rangliste wäre garantiert eine andere!

Union Neuchâtel – Starwings 78:71 (35:25)

Salle Riveraine. – 10 Zuschauer. – SR: Michaelides/Gonçalves/Demierre.

Neuchâtel: Colon (28!), Taylor (17), Humphrey (5), Martin (10), Kinney (11); Kübler (1), Giddens (6), Memishi, Caputo; Gräser, Tomat.

Starwings: Burns (27!), Kostic (9), Milenkovic (1), Krill (8), Sane (15); Davet (2), Vranic, Haile (3), Fuchs (6); Pausa, Fasnacht.

Bemerkungen: Neuchâtel ohne den Schweiz-Franzosen Granvorka (verletzt). – Starwings ohne den US-Topskorer Milon (verletzt). – Viertelsresultate: 16:18, 19:7 (35:25); 20:24 (55:49) und 23:22 (78:71). – Mit fünf Fouls ausgeschieden: 33. Krill (64:51) und 40. Kübler (74:67). – Fouls: Neuchâtel 24, Starwings 29 (!).